Der Hexenkessel brodelte
Volleyball-Oberliga: 140 Zuschauer sahen eine starke Heimmannschaft, die einen Sieg und einen Punkt einfuhr

Wer sich vor den beiden Heimspielen der Borssumer Volleyballfrauen gedacht hat, da möchte er hin und diese Idee dann aber verwarf, darf sich tüchtig ärgern: Was die BWB-Spielerinnen sowohl gegen den TuS Zeven (3:0-Sieg) als auch gegen den FC Leschede (2:3-Niederlage) bis zum Schluss geboten haben, war alleine den Eintritt wert. In diesen Begegnungen zeigten die drei Mannschaften alles, was den Volleyballsport so attraktiv macht. Umso erfreuter war BWB-Trainer Axel Karge nach dem letzten Ballwechsel, der irgendwie das breite Grinsen nicht aus seinem Gesicht bekam. Zwar verloren seine Schützlinge die zweite Partie denkbar knapp im Entscheidungssatz. Doch insgeheim haben sicherlich mit ihm nur die wenigsten unter den 140 Zuschauern mit so einem engen Spielverlauf gegen den  Regionalligaabsteiger aus Leschede gerechnet. Die Frage, ob das Saisonziel Klassenerhalt nicht zu tief gesteckt war, verneinte Karge. Nach wie vor geht es um das Punktesammeln. Recht hat der BWB-Trainer, denn jeder Spieltag ist auch nur eine Momentaufnahme. Das Feld ist noch recht eng beieinander. Da kann es in der nächsten Woche schon wieder völlig anders aussehen.

Im ersten Spiel gegen den Aufsteiger aus Zeven ging es für die Borssumerinnen auch darum, ihrem Publikum zu zeigen, dass ein Besuch im Hexenkessel, wie die Sporthalle am Emsstadion liebevoll von den Volleyballerinnen genannt wird, immer wieder lohnenswert ist. Die 140 auf den Rängen wurden nicht enttäuscht. „Ein 3:0 und alle drei Sätze unter 20 beim Gegner spricht schon für sich”, sagte Karge. 25:16 hieß es dreimal, in keiner Phase ließen die Blau- Weißen Zweifel an ihrem Sieg aufkommen. Zwar lebte das Spiel auch von Fehlern auf beiden Seiten. Doch die Gastgeberinnen haben zur Zufriedenheit ihres Trainers das umgesetzt, was im Training besprochen wurde.„Wir wussten über die Besonderheit der Annahme bei Zeven und haben uns entsprechend darauf eingestellt”, so Karge. Zwischenzeitlich wogte die Partie in den Sätzen hin und her, Zeven kam aber nie als Satzsieger infrage. „Volleyball wird viel mit dem Kopf gespielt”, sagte Karge. Und mit Köpfchen spielte seine Mannschaft. Unter den Zuschauern, die in der Halle wieder einmal zu einer lautstarken Unterstützung ihres Teams ansetzten, war die zweite Partie an diesem Tag mit Spannung erwartet worden. Auch wenn Prognosen eher weniger durch die Halle geisterten, irgendwie schienen viele froh, wenn BW Borssum eine  Satz holt. Gehört haben es die  orssumerinnen sicherlich nicht, doch sie legten los wie die Feuerwehr, als wollten sie zeigen, dass der Hexenkessel auch eine uneinnehmbare Heimfestung ist.

Leschedes Trainer Pieter Jansen war zwischendurch stocksauer, sein Gesichtsausdruck ließ Eis schmelzen. Interessant der Vergleich mit seinem Gegenüber: Karge stand in sich ruhend an der Seitenlinie, bei jedem Punktgewinn schien der lächelnde Gesichtsausdruck bei ihm noch zuzunehmen. Und seine Mädels auf dem Feld taten alles dafür, dass das erst einmal so blieb. 25:16 ging der erste Satz gegen Leschede an Borssum, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein Feuerwerk an Volleyballspielkunst abbrannten. Der Gast reagierte, zum Agieren kam er einfach nicht. Körperspannung, das Anfeuern untereinander, die Mimik: Es stimmte bei Blau-Weiß. So ging auch Satz zwei weiter, BWB wusste, hier ist mehr drin als nur ein Satzgewinn. Beim 13:6 rieben sich viele in der Halle verwundert die Augen. Auch Karge „tanzte” an der Seitenlinie, doch er wusste vielleicht schon, was kommen würde. „Meistens gewinnt die bessere Mannschaft”, sagte er nach der Partie. Und ohne den sehr guten Auftritt der Borssumerinnen schmälern zu wollen: In vielen Spielsituationen war bereits zu erkennen, dass das  Leschede ist. Wie bestellt, legte der Gast den Schalter noch einmal um. Das grimmige Gesicht von Jansen tat vielleicht das seine dazu. Neun Punkte in Folge, und auf einmal war der Satz gedreht. Bis zum 20:20 blieb es spannend, doch Leschede machte fünf Punkte zum 25:20- Satzgewinn. Wer jetzt dachte, das bringt BWB aus dem Konzept sah sich getäuscht: 9:3 hieß es im dritten Satz, bevor die  Konzentration und die Spannung bei den Gastgeberinnen etwas nachließ. Leschede glich aus (10:10) und ging in Front (15:11), was  wiederum die Blau-Weißen mächtig ärgerte. Über ein 16:16 und 19:19 zeigten die Emderinnen, hier muss der Gast 100 Prozent geben,um die Punkte zu ergattern. Den Satz gaben sie jedenfalls nicht her (25:21). Die Spielerinnen jubelten, das hieß zumindest schon einmal einen Punkt.

Im vierten Satz spielte der FC dann noch einmal seine Klasse aus. Borssum lief permanent einem Rückstand hinterher, jeder Punktgewinn kostete Kraft. So machte der Gast kurzen Prozess und gewann mit 25:16 diesen Durchgang. Der Entscheidungssatz musste den Sieger bringen, und auch in dem legte erst Leschede mächtig los (6:1). Bei Borssum schien endgültig die Luft raus, doch weit gefehlt, BWB glich aus (6:6). Bis zum 11:11 hofften die Zuschauer noch auf die Sensation, dann war es aber erneut der Tabellenführer, der clever und mit dem Mehr an Kondition den Sack zumachte. Borssum wird mit solchen Auftritten den Klassenerhalt sicher schaffen. Wer im achten Satz und nach fast vier Stunden noch so konzentriert zu Werke gehen kann, spielt zurecht in der Oberliga. Axel Karge hat in der  Nachbetrachtung ein „intelligentes und variantenreiches” Spiel seines Teams gesehen, in dem auch der „Hexenkessel” seinem Namen wieder gerecht wurde.  (Dirk de Vries für die Emder Zeitung am 30.10.2017)

BW Borssum: Maren de Boer, Lisa Bakker, Karina Deepen, Anke Dehne, Lena van Scharrel, Jasmin Cornelius, Kathrin Müller, Hanna Termöhlen, Kristina Müller, Janna Wilhelmi, Rieke Schüning

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