Es ist schon erstaunlich, was ein Trainerwechsel alles bewirken kann: Einmal mehr haben das auch die Volleyballspielerinnen von Blau-Weiß Borssum unter Beweis gestellt, indem sie innerhalb von nur acht Tagen drei Siege feierten. Die zwei Erfolge beim Doppel-Heimspieltag gegen VC Osnabrück II und FC 47 Leschede II wiegen umso schwerer, weil die Gegnerinnen direkte Konkurrentinnen im Kampf um den Klassenerhalt sind. Es sei an der Zeit gewesen, ein Zeichen zu setzen und alles zu hinterfragen, sagte BWB Volleyball-Spartenleiter Lothar Laerum vor zwei Wochen, als er verkündete, dass Trainer Axel Karge ab sofort nicht mehr die Geschicke der Oberligafrauen lenken wird. Es habe kein böses Wort gegeben, im Gegenteil, so Laerum, alle waren mit der Arbeit von Karge zufrieden. Laerum und die Verantwortlichen haben sich aber durch diese Maßnahme einen Ruck bei der Mannschaft erhofft. Und genau den hat es augenscheinlich auch gegeben. Anders ist es nicht erklärbar, dass das Team teilweise wie ausgewechselt schien Anders ist es nicht erklärbar, dass das Team teilweise wie ausgewechselt schien.

Volleyballspielen, das können die Borssumer Frauen. Das Kämpfen um jeden Ball, Punkt und Satz, das braucht ihnen auch keiner näher zu bringen. Aber den Kopf frei bekommen für die wichtigen Aufgaben im Schlussspurt der Saison, das war es vielleicht, was am Ende den Ausschlag geben könnte. „Den Kopf haben wir wieder frei, jetzt zeigen wir wieder, dass wir Volleyball spielen können”, sagte eine sichtlich erleichterte Mannschaftskapitänin Kathrin Müller nach den beiden Siegen. Vielleicht war auch den Fans der Blau-Weißen klar, dass sie eine nötige Stütze für ihre Mannschaft sind.

Laut den BWB-Verantwortlichen haben rund 200 Zuschauer den Weg in die Halle gefunden. Sicherlich wollten einige von ihnen auch sehen, was die 3. Frauenmannschaft im hinteren Teil der Sporthalle am Emsstadion so macht (Bericht folgt). „Wir haben über die sozialen Medien ordentlich getrommelt, und der Sieg vom vergangenen Wochenende hat sicherlich auch noch einmal dazu beigetragen, dass heute wieder so viele Zuschauer da sind”, sagte Laerum.

Die sahen allerdings erst einmal eine nervöse Heimmannschaft. Beide Teams profitierten überwiegend von den Fehlern des jeweils anderen und kamen so manchmal zu recht einfachen Punkten. Das sechs Punkte das Ziel der Borssumerinnen für diesen Doppelheimspieltag sein würden, war ein schwerer Rucksack. Satz eins war lange Zeit ein Spiel auf Augenhöhe (18:18), bevor der VC Osnabrück den Sack zumachte (25:21). Im zweiten Durchgang kam bei den Gastgeberinnen die Lockerheit zurück. Sie zeigten jetzt, dass sie hier und heute nur als Siegerinnen die Halle verlassen werden. Und dann ist da ja noch Karina Deepen, die immer wieder mit einer Aufschlagsserie den Gegner unter Druck setzt. Als es wieder eng wurde (13:11), haute sie dem Gast die Bälle reihenweise um die Ohren (21:11). Am Ende gab es ein starkes 25:17. Das sollte den Gegner doch zu denken geben? Tat es aber nicht, denn auch der Gegner will die Klasse halten und braucht dazu noch Punkte.

Es war ein Satz, der hin und her wogte, mit leichten Vorteilen von Osnabrück. Die Gäste legten am Ende noch einmal eine Schippe drauf. Und Borssum? Bloß nicht noch einen Satzverlust, dann wäre bei einem Sieg ein Punkt weg gewesen. Drei Satzbälle hatte der VCO (24:21), um sich am Ende dem unbändigen Willen der Borssumerinnen zu beugen, die mit fünf Punkten in Folge diesenDurchgangnochfürsich entschieden. Satz vier war ein „Schaulaufen”, Borssum spielte sich in einen Rausch. Selbst nach den Rückständen (0:3 und 3:6) war zu spüren, das lassen sich die Gastgeberinnen nicht mehr nehmen. Bis zum 8:8 blieb es ausgeglichen, dann agierte nur noch Blau-Weiß, um am Ende mit 25:14 Satz vier zu holen und mit 3:1 zu gewinnen.

Wie wichtig diese beiden Spiele waren, zeigt auch die Unterstützung aus der 2. Frauenmannschaft, die mit Sara Hoogstraat, Julia Biskub, Miriam Willms und Engeline Hoffmann für das Oberligateam abstellten. Es ist natürlich einfacher, wenn Laerum auch dort Trainer ist. Und Engeline Hoffmann hatte am Samstag sogar Geburtstag, feierte ihren 21. „Es macht viel Spaß hier bei der Superstimmung”, sagte sie. Ob denn eine große Party heute Abend angesagt ist? „Nein, wir müssen morgen früh ja noch einmal mit der Zweiten spielen, und die Spiele sind auch sehr wichtig.” Beide Partien gingen mit 2:3 verloren. Bis auf Sara Hoogstraat, die die 1. Damenmannschaft sehr stark unterstützte, wurden die drei anderen nicht eingesetzt. Wie hatte es Laerum im Vorbericht auch angekündigt: Die Stammspielerinnen der ersten Mannschaft sind jetzt vor allem gefordert.

Dass die Partie gegen den Tabellenletzten vom Ergebnis her deutlicher ausfallen würde, war das erklärte Ziel der Emderinnen. Doch es war auch schöner anzusehen, weil beide Mannschaften jetzt spielten und um jeden Zentimeter Hallenboden kämpften. Zwei knappe Sätze (26:24 und 25:22) und ein etwas deutlicher Satzgewinn (25:18) brachten am Ende einen 3:0-Erfolg der Borssumerinnen. „Das 3:0 war schon ein Muss von uns”, sagte Kathrin Müller. „Nachdem uns alle schon irgendwie abgeschrieben haben, glaubt die Mannschaft wieder an sich”, sagte Laerum. Und legte gleich nach: „Wir schaffen das.” Gemeint ist damit der Klassenerhalt, zumindest aber der Relegationsplatz. Davon sind die Borssumerinnen zurzeit zwei Punkte entfernt. Nächste Woche geht es zu Union Lohne. Der Tabellenführer hat zuletzt innerhalb von acht Tagen zwei Niederlagen kassiert. Das zeigt allerdings, dass in der Oberliga alles möglich scheint – hoffentlich auch mit einem Happy End bei den Borssumerinnen.

BW Borssum: Kathrin Müller, Sara Hoogstraat, Karina Deepen, Anke Dehne, Lena van Scharrel, Christine Brand, Yasmin Cornelius, Kristina Müller, Janna Wilhelmi, Tomke Rosenboom, Julia Biskub, Engeline Hoffmann und Miriam Willms

 

(Bericht. Emder Zeitung, Dirk de Vries am 11.02.2019)

 

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