Ein familiärer Tischtennis-Nachmittag

Es ist ruhig in der Sporthalle am Emsstadion. Das Gefühl kommt beim Besucher nicht nur draußen schon hoch. Auch wer die Eingangstür öffnet, könnte auf die Idee kommen, dass hier und heute keine Veranstaltung stattfindet. Der Flur ist dunkel, kaum ein Geräusch dringt ans Ohr. Wer dann allerdings enttäuscht umdreht, darf sich im Nachhinein ärgern. Denn die Tischtennisfrauen von Blau-Weiß Borssum haben ein Punktspiel zu absolvieren. Das 1. Frauenteam trifft auf die eigene Reserve. Und das, was die acht Spielerinnen zeigen, ist Tischtennis- Sport vom Feinsten.

In der Halle geht es familiär zu. Kein Wunder, kennen sich die Spielerinnen doch teilweise schon seit Jahrzehnten. Auch die wenigen Zuschauer gehören zur Familie: Die eigenen Kinder sind mit- oder nachgekommen, der Mann, Freund und andere Tischtennis-Cracks schauen vorbei. Auch die Beziksliga- Herren, die im Anschluss spielen, verweilen eine kurze Zeit beim Zuschauen. Sie alle wollen sehen, was die Frauen so an der Platte zeigen. Schließlich geht es im vereinsinternen Duell auch ein bisschen um das Prestige. Und eine Sache hat sich die 1. Mannschaft vorgenommen: Sie möchte sich nicht noch einmal so vorführen lassen wie beim 0:8 im Hinspiel. War die 1. Damen unterbesetzt im ersten Aufeinandertreffen? „Nein, nominell sind wir zwar die erste Mannschaft, aber sportlich ist die Reserve deutlich stärker”, sagte Lilly Koenigs. Die Benennung habe den Vorteil, dass die Zweite einmal bei der Ersten aushelfen kann,wenn dort Not an der Frau ist. „Herma(Garen) und ich sind ja nicht mehr die Jüngsten”, schiebt Lilly Koenigs nach. Also war die Zielsetzung in dieser Partie klar: Nicht untergehen, das Beste daraus machen und einen schönen sportlichen Samstagnachmittag haben.

Nach den beiden Eingangsdoppel konnte einem aber angst und bange werden, sah es doch hier schon so aus, als würde die Reserve auch diesmal wieder kurzen Prozess machen. Die beiden Finger-Schwestern, Alicia und Daria, mussten neidlos dem starken Reserve-Duo Tina Docter und Sandra Gottschlich gratulieren (11:7, 11:7 und 11:4). Mit 3:0-Sätzen  gewannen auch Elke Rosenfeld und Heidi Jakobs, doch Lilly Koenigs und Herma Garen machten ihnen im ersten Satz das Leben schwer – 13:15. Danach wurde es dann doch deutlich( 7:11 und 5:11).  Während in der ersten Einzelrunde Daria Finger ihrer Gegnerin Gottschlich kaum Luft zum Atmen ließ (11:1, 11:8 und 11:6), wollte ihre Schwester Alicia gegen Docter wenigstens einen Satz holen. Das gelang ihr dann mit dem 11:7 im 2. Satz. Davor zeigte die an Nummer eins gesetzte Spielerin der Reserve, warum sie dort steht: 11:4, 11:9 und ein 11:5 brachten Docter nicht nur den 3:1-Satzsieg, sondern das 3:1 im Zwischenstand der Begegnung.

Während Garen, die trotz einer schmerzhaften Rippenprellung spielte, gegen Jakobs keine Chance auf einen Satzgewinn hatte (9:11, 4:11 und 7:11), nahm Koenigs nach dem ersten Satzverlust gegen Rosenfeld (9:11) das Heft in die Hand. Der zweite Satz war eng (12:10), doch in den Sätzen drei (11:8) und vier (11:7) lief es für die an Nummer vier gesetzte Spielerin der 1. Damen nach Plan. In den folgenden Einzel spielten Nummer eins gegen eins, Nummer zwei gegen zwei und so weiter. Interessant das Duell der Einser: Während es nach zwei Sätzen passend 1:1 stand, legte Docter im dritten Durchgang gegen D. Finger noch eine Schippe drauf. Das 11:3 war eindrucksvoll, das anschließende 11:5 ebenso. Alicia Finger machte insgesamt eine gute Partie gegen Gottschlich. Doch sie haderte zu oft mit den verkorksten Schlägen, die sie immer wieder aus dem Rhythmus brachten. Gottschlich spielte ruhig weiter, denn auch sie bekam mit, wenn ihre Gegnerin ordentlich Zug hinter die Schläge bringt und konzentriert bleibt, wird es schwer. Am Ende lieferten sich beide eins der zwei Fünf-Satz-Spiele. Finger kämpfte nach dem 0:2-Rückstand und glich mit zwei starken Satzgewinnen sogar aus. Das bessere Ende verbuchte dann die ruhig agierende Gottschlich für sich (11:5, 13:11, 7:11, 9:11 und 11:7). Dass schmerzende Rippen einen nicht davon abhalten, das Beste zu geben, zeigte dann Garen. Sie siegte gegen Rosenfeld mit 14:12, 11:2 und 11:9. Satz zwei war in dieser Partie schon eine imposante Angelegenheit.

Trotzdem war keinen der acht Frauen der Ehrgeiz abzusprechen: Alle „hängten” sich voll rein und das unabhängig vom Alter und wie lange die einzelnen Spielerinnen schon spielen. Koenigs führte gegen Jakobs 2:0 und sah schon wie die sichere Siegerin aus, obwohl der zweite Satz nach dem 11:6 zum Auftakt mit 12:10 recht eng war. Dann stellte sich Jakobs aber auf das Spiel von Koenigs ein, bei der auch etwas die Kraft und damit die Konzentration nachließ. Nach dem 11:7, 11:7 und 11:6 ging diese Begegnung mit 3:2-Sätzen an Jakobs.

Wenn die Erste noch etwas erreichen wollte, musste jetzt die Wende kommen, denn die Reserve führte mit 7:3, und damit war nur noch ein Unentschieden drin. Doch die Nummer drei der Gastgeberinnen traf auf die Nummer eins der Gäste – Garen musste gegen Docter ran. Und die hatte keine Mühe beim 11:3, 11:5 und 11:3. Dieser Sieg brachte den achten Punkt für BW Borssum II, und wie es sich für anständige Verlierer gehört, gratulierte die Erste ihrer Reserve zu dem schönen Schlagabtausch am Samstagnachmittag.

 

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