Volleyball, Oberliga: BW Borssum verpasst nach Galavorstellung knapp die Relegation

So grausam ist der Sport. Statt des erhofften Jubels gab es am Ende Tränen der Enttäuschung – die allerdings unverdient: Denn was die Borssumerinnen vorher in viereinhalb Stunden geboten hatten, das war großes Volleyball-Kino: Leistung, Hingabe, Kampf, Teamgeist, Spannung bis zur maximalen Belastbarkeit des Nervenkostüms – das hatte alles andere als Tränen verdient. Aber „eine Niederlage hat immer einen schalen Beigeschmack“, stellte BWB-Trainer Axel Karge nachdem knapp verlorenen Spiel gegen TSG Westerstede fest. Verloren auch nur, weil es beim Volleyball kein Unentschieden gibt.

Statt des schalen Beigeschmacks hätte es fast süß geschmeckt. Denn das Sahnehäubchen auf eine tolle Saison, das Erreichen des Relegationsplatzes, war greifbar nahe. Aber es hatte nicht sein sollen. Es fehlte Karge und seiner Mannschaft das bisschen mehr an Glück, das den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmacht. Viel zu kritisieren an seinemTeam hatte Karge nicht. Sie haben gut gespielt, es standen sich zwei Teams auf absoluter Augen- und Schulterhöhe gegenüber. Wenn es Kritik gab, dann eher an den Schiedsrichterentscheidungen im 2. Spiel. Es gab einige, die teils auch direkt von Borssums Kapitänin Maren de Boer hinterfragt wurden. Dabei wirkte das sehr junge Schiedsrichterteam aus Leschede manchmal überfordert. Dass bei einem so wichtigen Spiel nicht zumindest ein Schiedsrichterposten von einer erfahrenen Kraft besetzt wird, ist zumindest unglücklich. So jedenfalls wurde es nichts mit der Borssumer Gala-Stimmung am Ende der Saison und des Spieltags. Wie gut, dass das Team sein Fan-Danke- Transparent schon nach dem ersten Spiel ausgerollt hatte. So hätte man gerne den ganzen Abend ausklingen lassen wollen.

Aber da hatte die TSG Westerstede etwas dagegen, in deren Reihen mit Anika Knoop und Rika Storz auch zwei „gelernte“ Emderinnen standen. Dieses Spiel bot alles, was man von einem Spitzenspiel erwartete. Die knappen Satzausgänge – der zweite und fünfte mit Überlänge – sagen schon alles darüber, wie ebenbürtig diese beiden Mannschaften waren. Beide gaben keinen Ball verloren, brachten immer wieder Bälle ins Spiel zurück, die eigentlich sicher verloren schienen. Wie ausgeglichen und auf welch gutem Niveau es zuging, zeigt ein Blick auf die Aufschlag-Fehler: Bei 233 Ballwechseln gingen 32 Aufschläge ins Netz oder Aus, eine geringe Quote, nach EZ-Zählung 16 auf jeder Seite. Dabei sah es gegen Westerstede zunächst so aus, als ob der Traum von einem zweiten Sieg etwas zu hoch gegriffen wäre. Borssum geriet in Rückstand, stellte sich dann aber auf die Gegnerinnen ein, glich zum 11:11 aus und ging selbst in Führung – bis zum 22:21. Da war Westerstede einen Tick abgebrühter, glich aus und holte sich den Satz noch. Der zweite Satz schien, das Borssumer Schicksal schon zu besiegeln. Westerstede lag vom 1:2 an ständig in Führung. Nicht zuletzt die früher für Borssum zählenden Schmetterbälle von Anika Knoop machten den Gastgeberinnen das Leben schwer. Aber sie gaben (sich) nicht auf, kämpften sich wieder ran – und glichen schließlich zum 23:23 aus.

Nun erlebten die Zuschauer ein Volleyball-Feuerwerk, das alleine das Eintrittsgeld wert gewesen wäre: Satzball Westerstede – 23:24. Borssum wehrt ab – 24:24. Westerstede punktet – Satzball 24:25. Aufschlag Westerstede ins Aus – 25:25. Borssum punktet – erster Satzball für BWB beim 26:25 – und ebenfalls ein Aufschlag ins Aus. Ausgleich 26:26. Aufschlag Borssum ins Aus – 26:27, Satzball Westerstede.  Ausgleich 27:27. Maren de Boer schlägt auf – 28:27, Satzball Borssum. Ausgleich 28:28. So ging es hin und her, bis schließlich Westerstede einen Aufschlag von Karina Deepen nicht unter Kontrolle bekommt – 34:32 für Borssum. Nun hatte BWB die Oberhand. Westerstede wurde nervös, vieles klappte nicht mehr so gut wie zuvor, und der dritte Satz ging ungewöhnlich deutlich an BWB. Das Sahnehäubchen war in Sicht, und auch der vierte Satz lief bis zum 21:21 unter ständiger Borssumer Führung. Dann warf Westerstede nochmal alle Konzentration ins Spiel – und holte den Satz. Im Entscheidungssatz geriet BWB in Rückstand, holte auf und wehrte noch einen Westersteder Satzball ab. Trainer Karge war zwar auch etwas enttäuscht. Allerdings verwies er auf die tolle Saison. Der dritte Platz ist weit mehr als das Saisonziel Klassenerhalt, das noch vor ein paar Wochen keineswegs sicher war. Was das Team geleistet hat, zeigte sich sehr gut im ersten Spiel gegen Leschede II. Auch da musste Borssum für den Sieg arbeiten, fuhr aber alles in allem einen verdienten Sieg ein. (EZ vom 19.03.2018)

BW Borssum: Maren de Boer, Karina Deepen, Kristina Müller, Kathrin Müller, Janna Wilhelmi, Hanna Termöhlen, Yasmin Cornelius, Lisa Bakker, Anke Dehne, Rieke Schüning.

 

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