Beiträge:

  1. TTVN-Jahrbuch
  2. Regeländerung: Unabsichtliche Doppelberührung
  3. Wechselmethode alias Zeitspiel

Wir möchten Euch an dieser Stelle künftig über wichtige Bestimmungen und Regeländerungen informieren. In unserem ersten Teil geht es um das TTVN-Jahrbuch. Der zweite Teil verweist auf eine Regeländerung bzgl. unabsichtlicher Doppelberührungen. In einem weiteren Teil sollen demnächst die Fristen für die Eingabe der Spielberichte in Click-TT erläutert werden.

1. TTVN-Jahrbuch

Das TTVN-Jahrbuch ist die Bibel des Tischtennis: Auf aktuell 162 Seiten werden alle internationalen und nationalen Bestimmungen erläutert. Für jeden Spieler sind vor allem die internationalen Tischtennisregeln A und B (ab Seite 125) wichtig. Sehr praktisch ist das Stichwortverzeichnis ab Seite 157.

Das Jahrbuch steht auf der Webseite des TTVN zum Download bereit: TTVN-Jahrbuch 2013 (pdf)

2. Regeländerung: Unabsichtliche Doppelberührungen

Häufig kommt es vor, dass ein Spieler einen Doppelschlag durchführt. Der Ball fliegt beim Schlagen z.B. gegen den Finger, von dort aus gegen den Schläger und anschließend korrekt auf die andere Tischhälfte. Seit 01.09.2010 ist dieser Doppelschlag kein Fehler mehr, doch leider kennt kaum jemand diese Regelung und wegen dieser Unwissenheit kommt es stets zu, teilweise sehr heftigen, unnötigen Diskussionen. Daher an dieser Stelle der Verweis auf eine leicht verständliche Erklärung des DTTB. In der Erklärung findet sich auch ein Verweis auf Tischtennisregel A 10.1.6: „Sofern der Ballwechsel nicht wiederholt wird, erzielt der Spieler einen Punkt, ‚wenn sein Gegner den Ball absichtlich zweimal in Folge schlägt.'“

3. Wechselmethode alias Zeitspiel

Wenn zwei Meister des Schupfballs nicht angreifen wollen … Bei der Weltmeisterschaft 1936 traf der französische TT-Spieler Aloizy Ehrlich auf den Rumänen Farkas Paneth. Ehrlich hat seinem Gegner den Ball konsequent auf die Rückhand geschupft, doch Paneth reagierte ebenfalls nur mit Schupfbällen auf Ehrlichs Rückhand. Beim ersten Ballwechsel des Spiels wurde der Ball ca. 10.000 Mal (!) fehlerfrei hin und her gespielt, ohne dass einer der beiden Spieler angriff. Erst nach 132 Minuten war dieser Ballwechsel entschieden, weil Paneth den Ball doch noch verschlagen hat. Nach über zwei Stunden Spielzeit stand es also gerade mal 1:0-Bälle und wenn diese „Ballkünstler“ ihre extrem defensive Spielweise genauso fortgesetzt hätten, so hätte das Match mehrere Tage gedauert …

Als Reaktion auf dieses Match wurde das Zeitspiel eingeführt. Die Regeln zum Zeitspiel wurden seitdem mehrfach geändert. An dieser Stelle möchten wir Euch den aktuellen Stand über die Wechselmethode – so lautet die offizielle Bezeichnung des Zeitspiels – erläutern. Diese Regel kommt in der Praxis insbesondere dann zum Tragen, wenn beide Spieler sehr defensiv agieren und die Ballwechsel daher lange andauern. Das Ziel dieser Regel ist es, dass immer einer der beiden Spieler zum Angriff gezwungen wird, damit die Ballwechsel kürzer werden.

Nachzulesen ist der Regeltext in den Tischtennisregeln A unter Punkt 15:

15 Wechselmethode
15.1 Mit Ausnahme der Festlegung in 15.2 wird die Wechselmethode nach 10 Minuten Spielzeit in einem Satz oder, auf Verlangen beider Spieler oder Paare, zu einem beliebigen Zeitpunkt eingeführt.

Erläuterung: Falls es im Laufe eines Satzes längere Unterbrechungen gab, z.B. bei einem Time-Out oder beim Suchen oder Austausch eines Balls, so zählen diese Pausenzeiten nicht zu den 10 Minuten Spielzeit.

15.2 Die Wechselmethode wird in einem Satz nicht eingeführt, wenn mindestens 18 Punkte erzielt wurden.

Erläuterung: Steht es also in einem Satz nach 10 Minuten 0:0, 5:3 oder 10:7, so wird das Zeitspiel eingeführt. Bei einem Spielstand von 10:8 (neu seit 2010!), 15:15, usw. wird das Zeitspiel nicht eingeführt, weil bereits mindestens 18 Punkte erzielt wurden.

15.3 Ist der Ball bei Erreichen der Zeitgrenze im Spiel, so unterbricht der SR das Spiel. Anschließend schlägt derselbe Spieler auf, der auch in dem unterbrochenen Ballwechsel Aufschläger war. Ist der Ball bei Einführung der Wechselmethode nicht im Spiel, so schlägt bei Wiederaufnahme des Spiels der Rückschläger des unmittelbar vorausgegangenen Ballwechsels zuerst auf.

Erläuterung: Nach den 10 Minuten wird immer das Zeitspiel eingeführt.
Falls bei Erreichen der 10 Minuten gerade kein Ballwechsel stattfindet (z.B. weil der Ball in dem Moment an der Bande liegt), schlägt immer der letzte Rückschläger auf. Es gibt dann also immer einen Wechsel des Aufschlägers — auch bei einer ungeraden Anzahl von gespielten Punkten (z.B. bei 4:3 oder 7:4).
Falls bei Erreichen der 10 Minuten gerade ein Ballwechsel stattfindet, so ruft der Schiedsrichter „Stop“. Der Ballwechsel wird wiederholt, der Aufschläger des letzten unterbrochenen Ballwechsels schlägt hierzu erneut auf.

15.4 Danach schlägt jeder Spieler abwechselnd bis zum Ende des Satzes für nur 1 Punkt auf. Gelingen dem rückschlagenden Spieler oder Paar 13 Rückschläge in einem Ballwechsel, erzielt der Rückschläger einen Punkt.

Erläuterung: Eine Person muss die Funktion des Schlagzählers übernehmen und sich neben den Schiedsrichter stellen. Der Schlagzähler zählt die Schläge des Rückschlägers laut und deutlich mit: „Eins, zwei, … Jeder Spieler schlägt immer nur noch für einen Punkt auf. Der jeweilige Aufschläger muss spätestens mit seinem 13. Schlag (inklusive Aufschlag) den Punkt erzielen – bringt der Rückschläger 13 Bälle in Folge erfolgreich zurück, so wird der Ballwechsel sofort beendet und der Rückschläger erhält den Punkt.

15.5 Die Einführung der Wechselmethode verändert die in 13.6 definierte Auf- und Rückschlagreihenfolge nicht.

Erläuterung: Zu Beginn des folgenden Satzes ist immer derjenige Spieler der erste Aufschläger, der auch ohne Zeitspiel zu Satzbeginn aufgeschlagen hätte. Wenn also Spieler A zu Beginn des ersten Satzes aufschlägt, dann muss A auch im Zeitspiel zu Beginn der Sätze 3 und 5 aufschlagen, während sein Gegner in den Sätzen 2 und 4 beginnt. 15.6 Wenn die Wechselmethode einmal eingeführt ist, muss sie auch in allen folgenden Sätzen angewandt werden. Erläuterung: Somit wird jeder folgende Satz sofort mit dem Zeitspiel begonnen.


Verantwortlich für die Regelecke:
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